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Recht / Zivilrecht 
Mittwoch, 22.01.2020

Hühnerlärm ist in ländlich geprägtem Gebiet ortsüblich und hinzunehmen

Dorfbewohner müssen in der Regel den Lärm gackernder Hühner und eines krähenden Hahns auf dem Nachbargrundstück hinnehmen, da die Hühnerhaltung in dem ländlich geprägten Gebiet eine ortsübliche Nutzung des Grundstücks darstellt. So entschied das Landgericht Koblenz (Az. 6 S 21/19).

In einem kleineren Ort mit weniger als 250 Einwohnern, der ländlich geprägt ist, bestand die Bebauung überwiegend aus Einfamilienhäusern mit relativ großzügigen Grundstücken. Im Ortsgebiet hielten zumindest drei Personen Hühner, so auch der Beklagte und zwar ca. 25 Hühner sowie einen Hahn. Hieran störte sich die Klägerin.

Das Gericht vertrat die Auffassung, dass ein Eigentümer zwar die Beseitigung einer Störung seines Eigentums verlangen kann. Der Anspruch auf Beseitigung sei jedoch ausgeschlossen, wenn er zur Duldung der Beeinträchtigung verpflichtet sei. Eine solche Duldungspflicht liege hier vor. Danach sei sogar eine wesentliche Beeinträchtigung eines Grundstückes hinzunehmen, wenn diese durch eine ortsübliche Benutzung eines anderen Grundstückes entstehe und nicht durch Maßnahmen verhindert werden könne, die dem Nutzer des anderen Grundstückes wirtschaftlich zumutbar seien. Der mit der Errichtung eines schalldichten Stalles verbundene Kostenaufwand würde die Haltung eines Hühnervolkes mit Hahn als Nebenerwerb völlig unrentabel werden lassen. Dies hätte absehbar das Ende privater Kleintierhaltung auch in ländlichen Gebieten zur Folge.

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